Klangwanderungen

Der tiefgründige Léman von Morges nach Lausanne

  • Slide01
  • Slide02
  • Slide03
  • Slide04
  • Slide05
  • Slide06
  • Slide07
  • Slide08
  • Slide09
  • Slide10
  • Slide11
  • Slide12

Musik: Abendlied der Käuzchen [Pampuch, Hasselmans] gespielt v. Isa & Chr. Pampuch, enth. im Harfenbuch „Die Zerzauste Libelle” » hm20

Schon bei einem meiner ersten Besuche hielt der See eine Überraschung für mich bereit: ein leichter Frühsommernebel hüllte die umliegenden Berge in lichtes Weiß, ließ aber der Sonne ihre wärmende Kraft — und so schien es, als wäre ich inmitten der kaum zu ahnenden Berge am Sommermeer, dessen glitzerndes Wasser am Horizont nahtlos mit dem lichterfüllten Himmel verschmolz. Es war eine unvergessliche, mystische Stimmung.

Aber damals fand ich keinen Weg am Ufer entlang. Eine Harfenspielerin, die am See lebt, gab mir den entscheidenden Tipp — und so brach ich eines Morgens von Morges nach Lausanne auf. Ein wunderbarer Weg, immer nah am Wasser, erwartete mich. Dieses Mal verbarg ein zarter Winternebel den Horizont, denn es war früher Februar. Nach und nach kam die Sonne durch, wurde vom Wasser gespiegelt und wärmte mich.

Nach der großzügigen Strandpromenade von Morges ging der Weg in einem Pfad über, der manchmal schmal wie eine Hafenmauer direkt am Wasser lief, einmal durch ein kleines Auenwäldchen gesäumt wurde und öfters auch an fast maritimen Stränden entlang führte. Ich wanderte staunend, mein Blick schweifte immer wieder über den geheimnisvoll den See langsam freigebenden Nebel — und auf mancher Bank rastete ich und spielte Harfe.

Eine Zuhörerin warnte mich, dass irgendwann der Weg den See verlassen würde und ein steiler Aufstieg auf mich wartet. Doch soweit kam ich nicht. Zum Nachmittag hin frischte ein kühler Wind auf — und als der Wind lauter auf meiner Harfe spielte als ich, entschloss ich mich in St. Sulpice, etwa auf der Hälfte des Weges nach Lausanne, die Fußreise zu beenden und einen Bahnhof zu suchen. Doch gerade hier liegt die Bahnstrecke weit weg vom Seeufer, und ich brauchte einen Bus und eine U-Bahn (beide schweiztypisch gut getaktet), bis ich wieder im Zug nach Hause saß.

Doch ich werde sicher wiederkommen, um den ganzen Weg von Morges nach Lausanne zu gehen und zu schauen, wo dieser steile Anstieg wohl sein mag. Vielleicht erwartet mich dann sogar noch ein weiter Fernblick. Perfekt.